In diesem Beitrag beleuchtet unser Mitglied Dietmar die irritierende Wandlung der evangelischen Kirche – vom einstigen Predigen des christlichen Pazifismus hin zu einem Verständnis für Militarismus und militärische Gewalt.
Hier die Ausgangssituation: Fünf markante Aussagen aus der EKD-Friedensdenkschrift 2025 (sinngemäß)
„Christlicher Pazifismus ist als allgemeine politische Theorie ethisch nicht zu begründen.“
„Pazifismus bleibt eine individuelle Gewissensentscheidung – keine verbindliche Leitlinie für staatliches Handeln.“
„Militärische Gewalt kann notwendig sein, um Frieden zu sichern.“
„Abschreckung – auch nukleare – kann unter bestimmten Bedingungen als verantwortbar gelten.“
„Sicherheit erfordert heute auch militärische Stärke und Verteidigungsfähigkeit.“
Und hier die Einschätzung unseres Mitglieds zum Wandel der EKD:
Als gelernter DDR-Bürger weiß ich, dass man manchmal Propagandastücke gründlich lesen muss, um zu verstehen, wie die Nomenklatura gerade tickt. Etwa als das ND vom SED-Parteitag 1981 berichtete und dies mit über 40 Honecker-Bildern illustrierte. Nun also eine Denkschrift des Rates der EKD „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“.
Bereits im Vorwort wird die Marschrichtung vorgegeben: Putin hat uns 2022 (ganz ohne Vorgeschichte) getriggert. Und die Hamas hat 2023 (ganz allein) noch Brandbeschleuniger ins Feuer gegossen. Nun ist unsere (vorher so heile) Welt in Unordnung, doch die EKD räumt jetzt auf: Bis 2029 werden wir kriegstüchtig!
Auf den 147 Seiten der Denkschrift ist viel Platz für allerlei friedenspolitische Abwägungen, doch in jedem Kapitel kommt irgendwann ein schneidiger Unteroffizier auf die Soldat*Innen-Stube und lässt die Mannschaft (Frauenschaft) antreten zum bellizistischen Exerzieren.
Die Denkschrift bezieht sich ausführlich auf die bisher prägende Friedens-Denkschrift der EKD von 2007. Ein weiteres Papier der EKD „schraubte“ 2019 bereits an den friedenspolitischen Positionen des organisierten Protestantismus herum, hielt aber an ihrer pazifistischen Grundhaltung fest.
Das ändert sich jetzt: das Leitbild des gerechten Friedens wird hoch gehalten. Was gerecht ist, entscheidet der mobile Friedensrichter mit der großen Knarre. Die aktuelle Denkschrift verabschiedet sich nun weitgehend vom Pazifismus, Zitat: „Christlicher Pazifismus ist als allgemeine politische Theorie ethisch nicht zu begründen. Er ist aber als Ausdruck individueller Gewissensentscheidung zu würdigen. Christlicher Pazifismus ist Ausdruck gelebter Frömmigkeit. Und er ist politischer Impulsgeber, der das Leitbild des Friedens als Orientierung für staatliches Handeln wachhält.“
Pazifistische Positionen werden zur Privatsache einiger frommer Träumer, die meinen, Jesus Gebote des Gewaltverzichts und der Feindesliebe gelten für alle Lebensbereiche, aber allzu ernst sollte man sie nicht nehmen.
Diese Amtskirche ist für Wehrpflicht, für maßlose Aufrüstung auf Pump, für Waffenlieferungen in alle Welt. Den Kontakt zu Kriegsdienstverweigerern mag man erst einmal nicht verlieren, ihre Unterstützung wird aber zur Privatsache engagierter Gläubiger, die wiederum nicht so ernst zu nehmen seien.
Besonders problematisch ist die komplette Unterwerfung der Synodalen unter „Geist, Logik und Praxis der atomaren Abschreckung“. Die EKD definiert sich ein ethisches Dilemma: Der Besitz von und die Drohung mit dem Einsatz von Nuklearwaffen könne sicherheitspolitisch notwendig sein, auch wenn ihr Einsatz durch nichts zu rechtfertigen sei. Nach Art des Gefangenendilemmas der mathematischen Spieltheorie exerziert man eiskalt die Möglichkeiten der atomaren Konfrontation durch, ohne den schlimmsten Fall extra zu bedenken. Wenn es zum großen nuklearen Schlagabtausch komme, dann müsse das wohl so sein, Putin ist schuld!
Diese Kirche ist längst Teil einer globalen Investoren-Planwirtschaft samt totalitärem Unterdrückungsapparat. Die wenigen Überlebenden eines atomaren Infernos werden zumindest den organisierten Protestantismus mit Schwung in den vorchristlichen Orkus werfen.
In katholischen Kreisen sieht das etwas anders aus: Papst Franziskus sprach 2022 vom „Bellen der Nato vor Russlands Tür“, das den russischen Einmarsch in die Ukraine erleichtert hätte. Schade, dass meine Kirche da so bellizistisch mitkläfft, dass die Tollwut-Impfung zur Nächstenliebe wird!
(Dietmar, Briccius-Gemeinde Halle-Trotha)
